Gegen Waffenexporte

Linke fordern im Bundestag Komplettverbot, Grüne mehr Transparenz

Von Marc Bebenroth
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Mittlerweile werden ganze Panzerfabriken vom hiesigen Rüstungskapital in Krisenregionen verkauft.
Jeweils einen Antrag zur Rüstungsexportkontrolle haben am Freitag die Fraktionen der Partei Die Linke und von Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag eingebracht. Während Die Linke ein Ende sämtlicher Ausfuhren von Waffen und sonstigem Kriegsgerät forderte, wollen die Grünen ein Rüstungsexportkontrollgesetz, das Genehmigungsverfahren transparenter machen soll. Die Linke verlangte darüber hinaus, bereits erteilte Ausfuhrgenehmigungen zu widerrufen, ein Konversionsprogramm für die deutsche Rüstungsindustrie anzustoßen und dafür Mittel bereitzustellen. Die Grünen wollen nur Exportverbote für sogenannte Drittstaaten, also Länder außerhalb von NATO und Europäischer Union.
Die Antragsteller beider Parteien sind sich einig darin, dass die Bundesregierung keine Lizenzproduktion von deutschen Rüstungsgütern im Ausland mehr erlauben sollte. Sevim Dagdelen (Die Linke) verurteilte in der Plenardebatte die Rüstungsgeschäfte der BRD mit Saudi-Arabien und die Lieferung von Panzern an die Türkei auch nach deren Überfall auf den nordsyrischen Kanton Afrin. Das Versprechen im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD, die Ausfuhren von Waffen zu beschränken, sei eine »dreiste Lüge«, sagte die Politikerin.
Der CDU-Abgeordnete Klaus-Peter Willsch wies Dagdelens Vorwürfe zurück – und sicherte den Rüstungskonzernen Solidarität zu: »Wir stehen hier als Union unserer Spitzentechnologie zur Seite.« Es folgte ein Werbeblock für die Internationale Luftfahrtausstellung (ILA) in Berlin. Die, so Willsch, sei eine »beeindruckende Heerschau unserer Fähigkeiten in ziviler und militärischer Luftfahrt«. Dass die Bundesrepublik in den letzten Jahren »nur« den dritten bzw. vierten Platz auf der Weltrangliste der Rüstungsexportnationen belegt hat, zeige, so Willsch, »wie zurückhaltend wir sind«. Allgemein sprach er von der Notwendigkeit, die »Wehrhaftigkeit« zum Beispiel afrikanischer Staaten zu verbessern, damit die ihre Grenzen effektiver sichern könnten. Exporte von Kriegsgerät findet er auch deshalb unproblematisch, weil »der Bediener tötet und nicht die Waffe«.
Auch der SPD-Abgeordnete Florian Post lehnte die Linke-Forderungen ab. Die Exporte in die Türkei rechtfertigte er damit, dass diese NATO-Partner sei und niemand ein Interesse daran haben könne, dass sie künftig von Russland beliefert werde. Beide Anträge wurden an den Ausschuss für Wirtschaft und Energie überwiesen.

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